Montag, 12. September 2016

Spätsommer... Eine Gedichtempfehlung

©www.inesmondon.com 
Jedes Jahr im Spätsommer lese ich das Gedicht von Kurt Tucholsky "Die fünfte Jahreszeit", ein Gedicht was diese Zeit zwischen Sommer und Herbst wunderschön beschreibt. Ein Gedicht was wahrscheinlich jeden der die Natur und deren Veränderungen wahrnimmt berührt und wo man so ganz genau weiß was damit gemeint ist.

Der Sommer 2016 ist ja aktuell in eine Verlängerung gegangen, aber trotz dessen, dass es um die 30°C hat spürt man, dass es kein "richtiger" Sommer mehr ist. Die Zeit im Spätsommer ist für mich stets eine sehr ambivalente Zeit, einerseits finde ich die Farben, das Licht und die Stimmung in der Natur speziell in dieser Zeit wunderschön, aber andererseits empfinde ich auch stets etwas Melancholie dabei, eine Abschiedsstimmung weil ich weiß, die Sommertage sind gezählt und irgendwie war er immer zu kurz. Dieses Jahr habe ich diese Stimmung ganz besonders verspürt. Das mag daran liegen, dass es für mich persönlich ein Jahr mit vielen Abschieden war, aber möglicherweise war diesen Sommer auch diese Stimmung besonders intensiv.
Am Wochenende waren Mark und ich morgens fotografieren und die vielen Spinnennetze, der leichte Bodennebel und die verblühte Vegetation waren untrügliche Zeichen für den nahenden Herbst. Daran ändern auch die Temperaturen nichts. 
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Diese Netze welche wie Fäden aus Licht in der aufgehenden Sonne glitzern, so kraftvoll wirken, aber doch so filigran und vergänglich sind. So vergänglich wie der Sommer, die Natur und das Leben.
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Vor zwei Wochen waren wir noch im heißen Andalusien unterwegs. Da war noch Hochsommer pur, aber die toten Insekten im Rio Tinto und die ersten Blätter haben mich auch da an das Sommerende erinnert.
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 Hier nun als Zitat das Gedicht was ich gemeint habe:

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"Die fünfte Jahreszeit

Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn
sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt,
so müde ist es - wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe
Herbst noch nicht angefangen hat - dann ist die fünfte Jahreszeit.

Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich
aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist,
gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist - nun ist es vorüber .
Nun sind da noch die Blätter und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu
gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick
steht das Räderwerk still. Es ruht.

Mücken spielen im schwarzgoldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne,
tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen ... kein Blatt
bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt,
es ist ganz still. Ein Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben - es ruht.

So vier, so acht Tage - Und dann geht etwas vor. Eines Morgens riechst du den
Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar
nichts geändert - und doch alles.
Noch ist alles wie gestern: Die Blätter, die Bäume, die Sträucher ... aber nun
ist alles anders....

Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht,
es solle nie, nie aufhören... Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen
beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.

Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.
© Kurt Tucholsky"
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Wer es einmal gelesen hat, der wird jedes Jahr daran erinnert werden...
Zum Schluss noch ein paar Worte in eigener Sache zu unserem Blog. Diejenigen welche Mixed Pixels regelmäßig verfolgen, werden gesehen haben, dass im Moment nicht gerade viel an neuen Posts kommt. Wir drei sind nach wie vor aktiv und wir wollen diesen Blog auch weiterführen und am Leben erhalten. Aber für uns alle drei war es kein einfaches Jahr und es gibt in unserem Leben ein paar Dinge, welche im Moment sehr zeit- und kraftaufwändig sind und viel Zeit in Anspruch nehmen. Wir fotografieren alle drei sehr aktiv und es wird auch für Mixed Pixels wieder lebendigere Zeiten geben. Versprochen! :-)
 
Ines

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Kommentare:

  1. Oh wow, was für wundervolle herbstliche Bilder!
    Das Gedicht gefällt mir auch wirklich gut :)
    Liebe Grüße,
    Laura von lauraskreativecke.blogspot.de

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    1. Danke! Freut mich, dass es dir gefällt! :-)

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