Donnerstag, 12. Mai 2016

Sirui Traveler 025X – Praxistest


Dass das Fotografieren meine große Leidenschaft ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Und dennoch gibt es neben dem teils unangenehm frühen Aufstehen einen weiteren Punkt bei diesem Hobby auf den ich gerne verzichten könnte. Das ewige Geschleppe der Ausrüstung. Neben einem Body und 3-4 Objektiven habe ich auf Mehrtagestouren noch Proviant, Schlafsack, Stativ, Isomatte, Zelt und Kleinkram wie Stirnlampe etc. dabei. Da kommen gut und gern 15-20 Kilo zusammen. Das mag man eine Weile durch die Gegend tragen, aber irgendwann ist man am Ende seine Kräfte. Ich zumindest. So bin ich immer wieder am Optimieren. Viel zu optimieren gibt es allerdings nicht. Denn meine 5D MK III und hochwertige Objektive müssen nun mal sein. Und viel Glas wiegt viel. Selbst ein leichtes Zelt wiegt noch ca. 2 Kilo und Essen und Trinken sind auch unverzichtbar. Wo also kann ich noch Gewicht einsparen? Beim Stativ!


Ich benutze seit Jahren das Gitzo 3542IL und bin damit absolut zufrieden. Dazu noch den Novoflex Classicball 3. Eine super Kombination, mit der ich sehr glücklich bisher war. Jedoch auch ein nicht ganz leichtgewichtiges Paar. Das Gitzo alleine wiegt bereits knapp 2 Kilo, dazu kommen noch knapp 400g für den Kugelkopf. In der Länge macht diese Kombination in etwa 60cm aus. Durch das hohe Gewicht trage ich das Stativ meistens in der Hand und weniger am Rucksack, der ohnehin schon vollgepackt ist. Gerade bei mehrstündigen Wanderungen in den Bergen ist es einfach anstrengend mit so einem Trumm in der Hand zu laufen. Daher dachte ich mir, es ist an der Zeit für solche Touren auf etwas Kompakteres zurückzugreifen.

So stieß ich durch Recherche auf das Sirui Traveler 025X. Das Stativ gibt ist in zwei Ausführungen. Aus Aluminium für 139 Euro und Carbon für 239 Euro. Ich entschied mich für die Carbonvariante. Diese ist noch leichter. Das Stativ inklusive Kugelkopf C-10X wiegt leichte 0,8 Kilogramm und ist zusammengeklappt gerade mal 34cm lang. Mit ausgefahrener Mittelsäule kommt das Stativ auf eine Höhe von 130 cm und eine Traglast von 6 KG. Für anstrengende Wanderungen also ein Traum! Doch was taugt der 239 Euro teure Winzling? Mein Basic-Equipment besteht aus einer 5D MK III mit wahlweise dem 16-35L 4.0, dem 24-70L MK II 2.8 und dem 70-300L 4.0-5.6. Ist Das Stativ einer ausgewachsenen Spiegelreflexkamera inkl. Teleobjektiv gewachsen?
Das Sirui und das Gitzo im Größenvergleich


Im Vergleich zum Gitzo wirkt das Sirui wie ein Winzling
Das Sirui kommt gut verpackt bei mir an. Neben dem eigentlichen Produkt wird noch eine Stofftasche mitgeliefert. Ich war erstaunt wie klein das Stativ im eingeklappten Zustand ist. Gerade mal etwas größer wie eine 1Liter Flasche. Das ist vor allem den um 180 Grad klappbaren Beinen geschuldet. Beim Hochheben huscht ein Lächeln über meine Lippen: Ist das leeeiicht! Wie süß!
Die Beinsegmente lassen sich wie bei meinem Gitzo per Drehen ausfahren. Die Füße sind gummiert und laufen zur Mitte hin spitz zu. Die Mittelsäule lässt sich bequem abschrauben, so dass man mehr Bodennähe beim Fotografieren hat. In der Mitte ist ein Karabinerhaken befestigt. An den kann man zur Not Gewichte fixieren, um mehr Stabilität zu erreichen. Zwei der oberen Beinsegmente sind mit Schaumstoff umwickelt. Das ist vor allem bei Kälte angenehm. Insgesamt wirkt das Stativ sehr hochwertig verarbeitet. Nicht klappert oder wackelt.

Kaum größer und schwerer als eine Flasche ist das Ministativ


Positiv bin ich vor allem überrascht vom Kugelkopf C-10X. Dieser kleine Kerl hat wirklich einiges drauf! Die Bedienelemente sind gut erreichbar angeordnet. Dabei sind die Drehknöpfe leicht geriffelt so dass man beim Drehen nicht abrutscht. Die Knöpfe sind unglaublich geschmeidig und laufen wunderbar rund. Der größere Knopf blockiert oder gibt den Kopf frei, der kleinere ist für die Panoramaplatte zuständig. Mit dem oberen Knopf löst man die Schnellwechselplatte aus der Halterung. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist, dass der Kopf nur eine Hochkantausfräsung hat und nicht wie mein Novoflex Classicball drei Stück. Dennoch leistet der Kugelkopf gute Arbeit und trägt meine 5D MK III selbst mit dem 70-300 gut.

Selbst Schräglagen stemmt das Stativ und der Kugelkopf gut

Ich bin erstaunt wie stabil der zugegeben windig aussehende Winzling meine Kamera hält. Gut, wenn man die Mittelsäule komplett ausfährt wird es natürlich etwas wackelig. Viel Wind sollte dann nicht gehen. Oder man beschwert das Stativ dank Karabinervorrichtung. 

Selbst Langzeitbelichtungen sind mit dem Sirui kein Problem

Fazit: Ganz klar: Der Sirui Traveler 025X ist keine Eierlegende Wollmilchsau. Die gibt es in meinen Augen ohnehin nicht. Auch ist wohl klar, dass sowohl das Stativ und der Kugelkopf schneller an ihre Grenzen von Belastbarkeit kommen wie ein massives Gitzo und ein Kugelkopf wie der Novoflex Classicball oder ähnliche. Naturfotografen, die mit einer Kamera wie der Canon 1D X und einem 500er Tele unterwegs sind, sollten den Gedanken an diese Ausrüstung schnell vergessen. Für mein Equipment reicht die Kombination gerade aus. Und da ich meist eh bodennah arbeite, ist die Höhe auch vollkommen ok. Vor allem auf langen, anstrengenden Bergtouren zählt jedes Gramm Ausrüstung was man sich sparen kann und dafür ist das Traveler 025X genau richtig! Ich habe einfach keine Lust mehr mich die Berge dank der unnötig schweren Ausrüstung rauf zu quälen und oben vor Erschöpfung fast zusammenzubrechen. So ist für mich das Sirui in jedem Fall für Bergtouren meine Alternative zum Gitzo. Völlig ablösen wird es aber das Gitzo nicht.

Wem die 239 Euro zu teuer sind, der kann zur 139 Euro teuren Aluminiumvariante greifen oder sich Tanjas Artikel zum ebenfalls sehr gutenAmazon-Stativ durchlesen.

Liebe Grüße,
Pia


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